Im Sommer Dürre, im Winter Hochwasser

Dürren im Sommer und Hochwasser im Winter: Nach langfristigen Prognosen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) muss sich Deutschland in den kommenden 100 Jahren auf erhebliche
Klimaveränderungen einstellen. So werde die Jahresmitteltemperatur
nach Modellberechnungen bis 2100 um bis zu vier Grad steigen, sagte
DWD-Statistiker Paul Becker am Dienstag in Berlin. Hauptursache für
die Erwärmung sei der Kohlendioxidausstoß, ergänzte DWD-Präsident Wolfgang Kusch.

Bis zu 30 zusätzliche Hitzetage
Nach den DWD-Berechnungen ist in Deutschland bereits bis zum Jahr
2050 mit einem Temperaturanstieg von 0,5 bis 2 Grad Celsius zu
rechnen. Bis zum Jahr 2100 kann sich dieser Effekt auf 2 bis 4 Grad
verstärken. Als Folge des Klimawandels wird die Hitzebelastung in den deutschen Sommern nach Einschätzung des Wetterdienstes deutlich zunehmen. Besonders treffen würde die Hitze nach den heutigen Prognosen Südwestdeutschland, das Rheinland sowie die Regionen Sachsen-Anhalt und Brandenburg.

Bis zum Jahr 2050 rechnet der DWD in diesen Gegenden mit jährlich 3 bis 15 zusätzlichen Hitzetagen mit über 30 Grad im Schatten. Bis zum Jahr 2100 könnten es in Süddeutschland sogar 30 zusätzliche Hitzetage sein - und damit rund doppelt so viele wie heute. Auch in Küstennähe und im Bergland würde es in 100 Jahren 2 bis 10 heiße Tage mehr im Jahr geben als heute.

Die verwendeten Daten sind allerdings in mehrerer Hinsicht nicht realistisch sondern ergeben ein viel zu positives Bild.
So basieren die Berechnungen auf der Annahme, dass der CO2-Ausstoß erheblich reduziert wird. Dafür gibt es aber bis heute überhaupt keine Anzeichen. Im Gegenteil: Die rasante Entwicklung in China und Indien sowie die mangelnde Bereitschaft der USA zum Klimaschutz lassen deutlich erhöhte Emmissionen erwarten.

Außerdem fallen die Berechnungen des Weltklimarats (IPCC) erkennbar zu positiv aus, da sie zwei Faktoren weitgehend vernachlässigen: Erstens dürften die Ozeane und das auf ihrem Grund lagernde Methan noch unangenehme Überraschungen bergen und zweitens ist der Einflus des tauenden Permafrost-Bodens in der Tundra und des dort freiwerdenden Methans in den Klima-Szenarien überhaupt noch nicht eingerechnet. Sowohl Tempo als auch Grad der Erwärmung werden also systematisch unterschätzt.

Tote nach langen Hitzeperioden
Bei mehrwöchigen Hitzeperioden gab es in den vergangenen Jahren in
Mitteleuropa Hitzetote und Wassermangel in der Landwirtschaft. Der DWD sieht auch Probleme
bei der Kühlung von Gebäuden und befürchtet einen steigenden Energieaufwand für Klimaanlagen.
Der Temperaturanstieg würde auch spürbare Auswirkungen auf die heutige Flora und Fauna haben, ie sich nicht in diesem Tempo an Veränderungen anpassen kann. Das Bundesamt für Naturschutz warnt
bereits davor, dass 5 bis 30 Prozent der einheimischen Arten allein wegen des Klimawandels verschwinden könnten.

Die Winter in Deutschland werden nach den Wetterprognosen künftig deutlich milder ausfallen als heute.
Das kann allerdings überdurchschnittliche Niederschlagsmengen auslösen, die Bäche und Flüsse bis zur
Hochwassergrenze anschwellen lassen. Mildere Winter können auch schwere Stürme wie den Orkan 'Kyrill'
mit sich bringen, der im Januar 2007 über Deutschland fegte und 13 Todesopfer forderte.

Seit 1901 ist die Jahresmitteltemperatur in Deutschland nach DWD-
Angaben bereist um 0,9 Grad Celsius gestiegen - 0,2 Grad mehr als im
weltweiten Durchschnitt. Für seine Zukunftsprognosen hat der
Wetterdienst vier regionale Klimamodelle für Deutschland verglichen
und die Spannbreite der möglichen Veränderungen abgesteckt.
Vergleichszeitraum sind die Jahre 1971 bis 2000. Gerechnet haben die
Klimaforscher dabei noch mit einem moderaten Modell. Es geht davon
aus, dass sowohl der Kohlendioxidausstoß als auch das weltweite
Bevölkerungswachstum in den kommenden Jahrzehnten zurückgehen.